War ich da untreu? -Meine Geschichte rund um Untreue

In letzter Zeit lese ich viel über Untreue und denk viel drüber nach. Was ist eigentlich Untreue? Immer mehr Frauen gehen ihrem Partner fremd (oder vielleicht auch: Immer mehr Frauen geben es zu?) Das haben schon mehrere Studien gezeigt. Zuletzt im Sommer eine Befragung des Online-Magazins Elitepartner. Demnach war schon ein Drittel der befragten Frauen ihrem Partner untreu. Aber ganz ehrlich? 1, Glaub ich, dass es schon viel mehr waren. Und 2. was ist überhaupt “Untreue”? Wie soll man das definieren?

Ich für mich für muss zugeben, dass ich schon untreu war. Früheren Partnern gegenüber, aber auch meinem Mann gegenüber. Wobei letzteres eigentlich so schlimm gar nicht war, vielleicht? War das wirklich Untreue? Ich bin mir unsicher. Es war jedenfalls nicht böswillig, sondern meine eigene reine Überforderung. Und deshalb erzähl ich es heute hier ganz ungefiltert. Es ist mir wirklich peinlich, dass das passiert ist, weil es eigentlich nicht dem Bild entspricht, das ich von mir habe. Ich will es trotzdem erzählen, weil ich glaube, dass viel zu viele Menschen irgendwo reinschlittern. Und einfach auch um klarzumachen, dass es rund um Untreue nicht nur einen Bösen gibt, sondern Manches einfach kommt wie es kommt.

Mein Seitensprung

Ich habe diesen Mann bei einem Termin auf der Arbeit kennengelernt. Er ist mir aufgefallen, weil er sehr überlegt war; jemand, der denkt bevor er spricht, ein Macher mit vielen Ideen, ein Anführer. Ich fühlte mich irgendwie klein in seiner Nähe. Wir haben uns kurz unterhalten und unsere Nummern getauscht – rein beruflich natürlich. Ich hatte ihn schon fast wieder vergessen, als später an diesem Tag eine Nachricht kam. “Ihr Lächeln hat mich verzaubert” hat er geschrieben und ich war wie in Schockstarre. Es war komisch. Irgendwie zu viel. Und trotzdem hat mir dieses Kompliment etwas bedeutet. Damals – das ist sechs Jahre her – war ich noch sehr im Kleinkindmodus. Ich hatte schon ewig nicht mehr geflirtet, geschweige denn ein nettes Kompliment von einem Fremden bekommen.

Ich antwortete ihm also und wir fingen an uns immer mehr flirtend zu schreiben. Am Abend erzählte ich meinem Mann davon. Es war mir schrecklich unangenehm. Aber er nahm mir alle Sorge. Er freute sich mit mir über den Flirt. Das klingt etwas merkwürdig, weil wir damals ja noch ganz klassisch monogam zusammenlebten. Aber tatsächlich: Ich konnte meinem Mann einfach davon erzählen. Er freute sich, dass mir dieser Flirt so gut tat. Mein Mann bestätigte mich also und motivierte mich dazu beim Schreiben etwas weiter zu gehen, wenn ich mich dadurch gut fühlte.

Mein erstes Mal Sexting

Meine Güte war das aufregend. Schon am nächsten Tag wurden unsere Texte immer expliziter. Wir teilten unsere Fantasien und motivierten einander beim Schreiben uns ganz zu öffnen. Manchmal telefonierten wir auch. Meistens aber schrieben wir. Meinem Mann zeigte ich alles. Teilweise haben wir auch zusammen geschrieben und freuten uns daran, wie sehr dieser andere Mann darauf abfuhr. Er erzählte mir genau wie er es wollte. Er gab mir kleine Aufgaben für den Alltag, sagte mir was ich anziehen sollte, welches Foto ich schicken sollte und er gab mir das Gefühl total von ihm begehrt zu werden. Das war schön. Ich war damals total unerfahren was Sexting angeht. Ich lies mich gerne von ihm anleiten. Und dann kam es dazu, dass wir uns trafen.

Ein Jobangebot – Beginn der Untreue

Er hat mir ein ganz ehrliches Jobangebot gemacht und fragte nach einem Bewerbungsgespräch. Ich betonte noch, dass es wirklich nur um die Arbeit ginge und dass ich keinen realen sexuellen Kontakt will. Trotzdem zog ich mir an, was er sich gewünscht hatte: Ein kurzes schwarzes Kleid und halterlose Strümpfe. Ich kam mir supersexy vor und traf mich mit ihm auf einem Parkplatz. Er sagte wir würden dann zusammen zu einem Café in der Nähe fahren, wo wir dann ungestört reden könnten. Im Nachhinein kommt es mir komisch vor, dass wir uns nicht gleich irgendwo öffentlich getroffen haben. Aber was soll´s. Ich hab mich damit wirklich gut gefühlt. Wir sind losgefahren in seinem Auto. Ich saß auf dem Beifahrersitz. Er schaute immer wieder auf meine Beine und schließlich legte er während der Fahrt ganz nebenbei seine Hand auf mein Bein.

Und dann ist es mir irgendwie entglitten

Dass ich vorher irgendeine Art von Kontrolle gehabt hätte, ist eine reine Illusion. Ich hab mich einfach reinfallen lassen. Ich war mir dessen zeitweise sogar klar. Mir war bewusst, welche Signale ich sendete. Ich war einfach total überfordert und mir nicht dessen Bewusst wie mir die Situation im Strudel der Gefühle entgleiten konnte.

Während wir weiterfuhren fing er an mich leicht zu streicheln und seine Hand wanderte immer weiter nach oben bis zum Rand meines Strumpfes. Ein wohliges Seufzen entfuhr ihm als er den Spitzenrand spürte. Wir fuhren und redeten und schließlich sagte er mir, wie heiß er mich fände. Er machte Komplimente und sagte wie schwer es ihm falle Abstand zu wahren. Nach einer Weile fragte er mich, ob ich mal fühlen würde, wie steif sein Schwanz meinetwegen sei. Er nahm meine Hand und ich fühlte es. Er hielt am Straßenrand.

Als wir angehalten hatten beugte er sich zu mir und küsste meinen Nacken und meinen Hals. Nach einer Weile fragte er mich, ob ich seinen Schwanz nicht sehen wollen würde. Ich widersprach nicht. Er öffnete seinen Reißverschluss und zeigte ihn mir. Er streichelte mein Bein mit einer Hand und mit der anderen seinen Penis. Ich war wie erstarrt. Ich sagte noch ich fände es besser wir würden weiterfahren. Aber sehr überzeugend klang ich offenbar nicht. Er säuselte mir ins Ohr und nahm mit der Hand meinen Nacken sanft aber bestimmt.

Fängt dann die Untreue an?

Er flüsterte mir zu, ich solle seinen Penis küssen. Ich zögerte erst, aber dann beugte ich mich zu ihm hinunter. Ich berührte mit der Zunge seine Eichel und es entfuhr ihm wieder ein deutlicher Seufzer. Das Gefühl war unfassbar gut. Er begehrte mich scheinbar so sehr, dass ihn schon diese wenigen Momente so heiß machten. Das war überwältigend. Ich war so eingenommen von diesem Gefühl. Auf der einen Seite war es vertraut, weil wir darüber schon so genau und viel geschrieben hatten und auf der anderen Seite fühlte es sich so falsch an. Ich wollte es gleichzeitig und wollte es nicht.

“Bitte, nimm ihn in den Mund” flüsterte er und ich tat es. Ganz langsam glitt ich mit meinen Lippen seinen Schaft entlang und ich hatte seinen Schwanz komplett im Mund. Ich genoss das Gefühl plötzlich in der aktiven Position zu sein. Ich war mir total unsicher was richtig war und was nicht. Bis wenige Minuten vorher war ich mir sicher, dass mein Mann die Geschichte in Ordnung fände. Aber ein fremder Schwanz in meinem Mund? Mmh. Das war dann doch etwas anderes. Aber warum hatte ich ihn eigentlich im Mund? Wie konnte das passieren? In meinem Kopf fuhren die Emotionen Achterbahn. Ich spürte klar, dass das zu viel war. Hatte ich jetzt den Schritt zur Untreue überschritten? Ich setzte mich auf und sagte ich wollte weiterfahren. Wir setzen unseren Weg fort. “Ich kann mich so in kein Café setzen. Wir müssen noch ein bisschen weiterfahren,” sagte er.

Mein kläglicher Versuch es abzuwenden

Wir redeten und versuchten das Thema zu wechseln. Ich dachte schon es wäre damit erledigt. Doch Überraschung: Das war es nicht. Ein paar Meter weiter hielt er erneut. Er stiegt aus und ging in den Wald. Offenbar um zu pinkeln. Er blieb eine Weile weg. Als er wieder da war dachte ich eigentlich wir würden weiterfahren. Stattdessen küsste er wieder meinen Hals. Zärtlich und drängend. Klar hat mich das angemacht. Er konnte irgendwie nicht von mir ablassen. Komisch, dass mir das gefallen hat, denke ich im Nachhinein. Denn auch da hab ich mehrmals gesagt, dass ich das eigentlich nicht gut finde, was da passiert. Sehr überzeugend war ich offenbar immer noch nicht.

Ich weiß nicht wie er es gemacht hat, aber ich habe einfach gemacht was er wollte. Es kam mir völlig alternativlos vor. Er wollte, dass ich seinen Schwanz nochmal blase, er wollte, dass ich ihn berühre und sage wie schön dieser Penis sei. Er flüsterte mir nette Dinge ins Ohr und trug mir auf was ich zu sagen und zu tun hätte. Ich hatte keine Gelegenheit mehr darüber nachzudenken was ich eigentlich wollte. Innerlich hatte ich den Punkt auch längst überschritten an dem es ein zurück gegeben hätte. Ich tat einfach und schaltete mein Hirn total aus. Schließlich bat er mich mit ihm auf die Rückbank zu kommen. Er wies mich an mich hinzulegen, beugte sich über mich und onanierte. Sein Sperma traf mich im Gesicht und auf meinem Kleid. Es kam irgendwie überraschend.

Was danach war

Ich machte mich so gut es ging sauber und setzte mich wieder auf den Beifahrersitz. Ich fühlte mich wie gelähmt. Wie zur Hölle sollte ich das irgendwem erklären? Er nahm mir das Versprechen ab, niemandem davon zu erzählen. Seine Frau würde ihn sonst verlassen. Während der Fahrt übergab er mir noch Unterlagen. Meinen ersten Auftrag in meinem Job. Bald waren wir am Parkplatz und ich ging zu meinem Auto. War das alles gerade wirklich passiert? Was hatte ich getan? Definitiv eine Grenze überschritten. War es eine Option meinem Mann nichts davon zu erzählen? Er hatte mir soviel Freiraum gegeben und ich hatte ihn so sehr missbraucht. Wie sollte es weitergehen? Konnte ich mit dieser Lüge leben? Ich brach in Tränen aus.

Wie es zu Hause weiterging

Zu Hause steckte ich meine Sachen sofort in die Waschmaschine und ging duschen. Ich schrieb meinem Mann eine Nachricht, dass alles gut war. Der Mann mit dem ich eben noch im Auto gewesen war, schrieb mir ich solle dran denken niemandem davon zu erzählen was zwischen uns gewesen ist. Und dass er sich darauf freue, dass wir zusammenarbeiten würden ab sofort. Ich war völlig von der Rolle. Mir war das zu viel. Ich war so dermaßen innerlich zerrissen. Ich hasse Geheimnisse und ich bin furchtbar schlecht darin sie zu bewahren. Zuerst dachte ich noch ich könnte das alles – die Untreue – wegstecken und einfach weitermachen und den Job tatsächlich annehmen. Aber natürlich konnte ich das nicht. Ich sagte den Job ab.

Als mein Mann nach Hause kam erzählte ich ihm einiges. Das alles war mir so unfassbar peinlich und ich konnte es selbst so schlecht einordnen und ich fand mich selbst so unheimlich schwach, dass ich kaum dazu stehen konnte, was passiert war. Erst in den nächsten Tagen beichtete ich nach und nach die ganze Geschichte. Ich hatte eigentlich vorher gedacht ich bräuchte keinen Beschützer. Aber irgendwie hab ich damals eben doch einen gebraucht. Mein Mann war meine Stütze. Er rief den anderen Mann auf meinen Wunsch hin an. Er machte klar, dass das so nicht ginge. Ich hatte damals nicht die Kraft dazu.

Was sich seither verändert hat

Mittlerweile kann ich besser auf mich selbst aufpassen. Damals bin ich einfach in grenzenloser Naivität in etwas hineingeschlittert, dem ich nicht gewachsen war. Ich bin meinem Mann sehr dankbar, dass er damals und bis heute zu mir gehalten hat und meine ehrliche Entschuldigung ernst nehmen konnte. Das Erlebnis war unser erster Schritt in Richtung Offene Beziehung. Wir merkten damals, dass uns der Gedanke an weitere Personen tatsächlich sehr anmacht. Und dass keiner von uns etwas tun könnte, was uns wirklich auseinanderbringt – solange wir ehrlich zueinander sind.

Die Geschichte über dieses Erlebnis ist eine der Lieblingserzählungen meines Mannes über sexuelle Fantasien. Ich hab sie ihm oft erzählt.

Und war das jetzt Untreue oder nicht?

Klar. Technisch irgendwie schon. Gleichzeitig bin ich recht sicher, dass mein Mann einverstanden gewesen wäre, wenn wir es vorher so abgesprochen hätten. Und: Natürlich hätte ich deutlicher “Nein” sagen müssen, aber auch so wie es war, war ich bei der Sache nicht die treibende Kraft. Ich war überfordert. Aber macht das rund um Untreue wirklich einen Unterschied? Wird es dadurch weniger “schlimm”? Ich kann das nicht beantworten. Aber ich weiß, dass dieses Erlebnis für mich Augen öffnend war. Es hat mir gezeigt, dass es gefährlich ist mit dem Feuer zu spielen. Und es hat uns aber auch gezeigt, dass wir füreinander einstehen und unsere Beziehung einiges aushält. Sag mir gerne Deine Meinung rund ums Thema Untreue. Ich bin gespannt.

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5 Gedanken zu „War ich da untreu? -Meine Geschichte rund um Untreue“

  1. Hi Kiki! Ich folge Dir schon länger auf Twitter, hauptsächlich weil mich das Thema offene Beziehung interessiert.
    Zu diesem Text, zu der Frage nach Untreue würde ich sagen, dass es welche war. Völlig wertungsfrei, ob das was gutes oder schlechtes ist. Und zwar nur deswegen, weil es scheinbar Eure Definition von Treue war, so was nicht zu tun.
    Treue hat immer was im Kontext zu tun- in der offenen Beziehung eben anders als in einer monogamen.
    Vielen Dank für den tollen Text!
    Liebe Grüße Domi

    Antworten
  2. Einige Sätze klingen für mein Gefühl eher danach, Consent in Frage zu stellen, nicht Treue.
    Vielleicht lese ich das auch rein, aber gestolpert bin ich über:

    “Ich hatte keine Gelegenheit mehr darüber nachzudenken was ich eigentlich wollte.”
    “Ich war wie erstarrt. Ich sagte noch ich fände es besser wir würden weiterfahren. Aber sehr überzeugend klang ich offenbar nicht.”
    “Komisch, dass mir das gefallen hat, denke ich im Nachhinein. Denn auch da hab ich mehrmals gesagt, dass ich das eigentlich nicht gut finde, was da passiert. Sehr überzeugend war ich offenbar immer noch nicht.”
    “Ich weiß nicht wie er es gemacht hat, aber ich habe einfach gemacht was er wollte. Es kam mir völlig alternativlos vor.”
    “Ich widersprach nicht.”

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  3. Hallo Kiki,
    Natürlich war es eine Art von Untreue, wobei ich etwas geschockt bin darüber, dass Du diesem Mann verfallen bist.
    Sein Verhalten war einfach ein Nogo!
    Ich vermute mal, dass Dich seine natürliche Dominanz gereizt hat,
    Allerdings finde ich, dass z.B. seine Forderung seinen Schwanz als schön zu bezeichnen, eher ein Zeichen der Schwäche.
    Du warst aber ganz in seinem Bann und das Verbotene hat Dich gereizt.
    Dein Mann fand es vorher ja auch schon spannend, dass Du Komplimente erhalten hast. Darum war es recht einfach ihm alles zu beichten.
    Du kannst Dich glücklich schätzen, dass er so offen damit umgeht.

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  4. Liebe Kiki,
    ich würde das nicht als Untreue bezeichnen.
    Das war eher ein indirekte Vergewaltigung.
    Was der attraktive Mann mit Dir gemacht hat geht gar nicht.
    Du hast einen tollen Mann!
    Danke für das Erzählen.

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